Feine Unterschiede

Da habe ich doch mal wieder was dazu gelernt: nämlich dass die Pfälzer*innen ein offenes, freundliches Völkchen zu sein scheinen.

Zumindest haben sie wohl keine Probleme damit, wenn jemand sich in einem Café oder einer Kneipe zu ihnen setzt. Meine Gesprächspartnerin und ich sind uns einig, dass das ja wohl von Region zu Region unterschiedlich üblich ist. Und dann natürlich nicht nur von Region zu Region, sondern auch von Land zu Land, füge ich hinzu. Das ist in Frankreich noch mal anders als in England oder Mexiko oder Botswana, klar.

 

Schon sitze ich im Fettnäpfchen. Oder auch im Töpfchen der unschuldig Doofen.

Wenn innerhalb Deutschlands die Leute in verschiedenen Regionen unterschiedlich reagieren, dann verhalten sich aller Wahrscheinlichkeit nach auch nicht sämtliche Menschen überall in Frankreich oder Botswana gleich. Den Gedanken hätte mir allein schon die Logik aufdrängen können. Oder mein Wunsch nach Differenziertheit, den ich durchaus besitze.

 

Dennoch lag meine Reaktion genau so nahe wie dieser logische Schluss, womöglich sogar näher. In solchen Situationen scheint eine andere Logik zu greifen, ein anderer quasi-automatischer (aber vielleicht nicht entautomatisierbarer?!) Denk-Mechanismus:

Der (bewusst) gewünschte differenzierte Blick scheint sich allzu oft nur auf sich selbst, das Bekannte, die Gruppen, zu denen man gehört, zu richten. Das Andere, Unbekannte, Ungewohnte, Ferne scheint diesem Blick (unbewusst) zu etwas Homogenem zu verschwimmen.

 

Das Eigene: eine komplexe 3D-Landschaft, nach außen hin an ihren Grenzen immer weiter ausufernd, in sich immer feiner verästelt und verzweigt. Mindestens so wie Westeros und Essos im Vorspann zu „Game of Thrones“, untermalt von einer heroischen Titelmelodie.

Das Andere: plane Fläche, bestenfalls

Schlimmstenfalls amorphe Masse, die irgendwie – man weiß es nicht so ganz – auf einen zuzuwabern scheint und – auch das kann man nie wissen – dabei eine Bedrohung darstellen könnte. Und wenn es nur eine Bedrohung der eigenen Bequemlichkeit ist, die im höchst einförmigen Plural daherkommt:

Die Flüchtlinge. Die Frauen. Die Veganer. Die Homos. Die Behinderten. Die Muslime.

 

Und dann auch noch diese Fragen, diese nervtötenden Fragen, die sich mir, dir, uns dabei vielleicht stellen… Wollen DIE was von mir? Was wollen DIE denn bloß? Muss ich mich DAMIT jetzt auch noch auseinandersetzen?!?

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