Sexistische Kackwerbung – Teil 3: Wick DayMed

Herbstzeit, Erkältungszeit – und somit auch Zeit für Werbung, die Mittel gegen Erkältungsbeschwerden anpreist. Dazu gehört u.a. der Werbespot von Wick DayMed, der momentan wieder über Deutschlands Fernsehbildschirme läuft und einer/einem bei genauem Hinhören gewaltige Schauer über den Rücken treibt. So schlimm kann keine Erkältung sein wie dieses vermeintliche Antidot verkauft wird.

Aber der Reihe nach:
Wir sehen eine verschnupfte Frau in Business-Kleidung, die sich bei einem kleinen Mädchen krankmeldet als wäre dieses ihre Arbeitgeberin. Ja gibt´s denn so was?! Nein, natürlich nicht, und mit Hilfe von Wick soll es so was auch gar nicht geben. Das unrealistische Szenario wird als solches schnell entlarvt und wir aufgeklärt: „Mütter nehmen sich nicht frei… Mütter nehmen Wick DayMed!“

Der komplette Spot, die Story sowie last and least, quasi als Kackperle auf dem dampfenden Hundehaufen, dieser Spruch… All das beinhaltet so viele giftige Aspekte, die mir ein regelrechtes Magengewitter im Bauch verursachen, dass es mir schwerfällt, sie verständlich aufzudröseln. Aber ich werde es einmal versuchen.

Zunächst bringt die Werbung „sich um Kinder kümmern“ und „arbeiten“ miteinander in Verbindung. Dass diese Assoziation ihre Berechtigung hat, leuchtet jeder und jedem gleich ein: Kinder zu versorgen ist Arbeit. Und zwar nicht irgendein beliebiger Pillepalle-Job. Es handelt sich vielmehr um Knochenarbeit mit großer Verantwortung, maximal geforderter Flexibilität, hohem Zeitaufwand und, ganz klar, einem gigantischen Einsatz. Nicht einem Beruf, sondern einer Berufung soll mensch hier überdies nachkommen, das gilt für das Eltern-Sein mehr als für jede andere Arbeit im engeren oder weiteren Sinne.

Die Assoziation von „Kinder versorgen“ und „arbeiten“, die der Werbespot weckt, wird allerdings im gleichen Atemzug von ihr auch wieder negiert: Eltern zu sein, oder vielmehr – und das ist der enervierend springende Punkt – Mutter zu sein, das ist eben kein Job, erst recht keiner wie jeder andere.

Worin also liegt, laut Wick, der kapitale Unterschied zwischen „Mutter sein“ und „einem Beruf nachgehen“? (Nein, dass Mütter für eine der sicherlich anstrengendsten und wichtigsten Tätigkeiten nicht einen Cent bekommen, ist nicht die gesuchte Antwort.)
Arbeitnehmende haben vertraglich festgelegte Arbeitszeiten und somit auch festgelegte, ja vorgeschriebene Freizeit. Natürlich steht ihnen im Krankheitsfall das Recht zu, für einen gewissen Zeitraum auszufallen.
Anders geht es da den Müttern in der Wick-Sicht der Dinge: Ihre Aufgabe lässt ihnen weder Zeit noch Raum für Pausen und Erholung, unter normalen Umständen nicht und noch nicht einmal bei Krankheit.

Ständige Verfügbarkeit, permanenter Leistungsdruck, der Menschen selbst mit Fieber und völlig aufgebrauchten Energiereserven ihre Arbeit verrichten lässt – was in der Arbeitswelt als in hohem Maße schädliche Tendenz beobachtet wird, die enorme physische und psychische Leiden verursacht, das ist für Mütter der Normalzustand.
Mehr noch, es ist ein wünschenswerter, so geforderter Zustand. Denn der Satz „Mütter nehmen sich nicht frei“ vermittelt uns ja ein Ideal, ein „Mütter sollen sich nie freinehmen!“. In der besten aller möglichen Welten stopfen sich dieser Vorstellung zufolge Mütter eher mit Medikamenten voll oder riskieren einen Burnout als auf ihre eigenen Bedürfnisse einzugehen.

„Mütter nehmen sich nicht frei“, sie legen sich nicht einfach so ins Bett und kurieren sich aus wie jede*r andere mit einer Erkältung. Bemerkenswerterweise scheinen die Mütter auch die einzigen Menschen in ihrem gesamten Umfeld zu sein, die Verantwortung für ihre Kinder übernehmen können. Denn sie bitten auch nicht etwa die Großeltern, den Schwager oder die Nachbarin, vorübergehend auf die Kinder aufzupassen, um sich ein wenig zu schonen. Vom Vater einmal ganz zu schweigen…

Überhaupt, wie ist es mit den Vätern? Nehmen die sich auch nicht frei? Oder sind sie etwa im Unterschied zu Frauen, die Kinder kriegen, nie diesen ebenso unsichtbaren wie bindenden Vertrag eingegangen, der eine nicht als Arbeit bezeichnete Arbeit ohne Unterlass von ihnen verlangt?

„Mütter nehmen sich nicht frei.“ Mütter sind auch nicht frei, solange sie (längst nicht nur von dieser Werbung) in die Geiselhaft des Mutter-Ideals gezwungen werden.

 

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14 Gedanken zu “Sexistische Kackwerbung – Teil 3: Wick DayMed

  1. Der Wick MediNight Werbespot ist auch, wenngleich auf eine humoristischere Art und Weise, ätzend. Der Mann wird zum Kind, weil er erkältet ist, ruft nach seiner Mama und seine Frau wirft ihm den Medizincocktail hin, woraufhin er seelig wie ein Baby schläft/schnarcht und sich im Bett breit macht und die Frau daneben auf ihrem kleineren Bettteil zusammengerollt schläft (Wer mit Kindern/Babys zusammen in einem Bett geschlafen hat, weiß, dass dies genau das gleiche Bild ist!).

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  2. Schade, dass noch niemand einen Kommentar hinterlassen hat.
    Ich könnte mich Mega über diese Wick Werbungen aufregen.
    Ich habe Wick deswegen angeschrieben und eine vorgefertigte nichtssagende Antwort erhalten. Ich jedenfalls kaufe keine Wick Produkte mehr!

    Gefällt 2 Personen

    1. Die Wickwerbung ist eine Frechheit.
      Mütter nehmen sich nicht frei.
      Was ist das für eine Botschaft?
      Wenn ich als Mutter krank bin, möchte ich auch das Recht haben, krank zu sein.
      Und mein Sohn ist nicht mein Arbeitgeber, sondern mein Kind.
      Schade, dass wir uns solch eine Werbung gefallen lassen.

      Gefällt 1 Person

  3. Habe die Werbung gerade zum ersten Mal im Fernsehen gesehen. Wie beschissen ist das denn? Haben wir dafür jahrelang gekämpft und tun es noch immer oder ist das einfach Retro und ich versteh’s nicht?
    Steckt da ein Mann oder eine Frau dahinter? Ich trau’s im Jahr 2016 eigentlich keinem von Beiden zu!

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  4. Habe die Werbung im Winter 2016 bei WICK per email scharf kritisiert. Antwort:“Es tut uns leid, dass Ihnen ….bla, bla, bla…“. Habe dringend gebeten, solche Mütter-feindliche Werbung zu unterlassen. – Leider ist sie jetzt wieder da, was sagt uns das: WICK spart an neuen ‚Werbeexperten‘ (die vorigen waren ja auch zu Nichts nutze) und hat
    im ganzen Unternehmen keine hellen Köpfe für eine geschlechtsneutrale, wirksame Werbung! Schreibt doch alle Ihr, die hier postet, auch Eure Meinung an WICK direkt!!

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    1. Ich finde es auch sehr gruselig, dass diese Werbung von Wick nicht nur durchgewunken, sondern offenbar sogar als Dauerbrenner etabliert worden ist. Alle Jahre wieder derselbe Sch… Als ich das Problem mal einem Marketing-Menschen auseinanderzusetzen versuchte, hat er es nicht wirklich kapiert. Er meinte nur sinngemäß: Werbung will etwas und vor allem jemanden, eine spezielle Zielgruppe erreichen – und (besonders alleinerziehende) Mütter seien nun mal eine sehr lohnende Zielgruppe, die man über das Mutter-Ideal und das schlechte Gewissen ganz toll „kriegen“ könne…

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  5. Meine Güte :O Was ist denn hier los?
    Meiner Meinung nach iSt das worüber sich hier aufgeregt wird eine völlige Fehlinterpretationen der ganzen Geschichte!

    Ich selbst bin Mutter und kümmere mich in JEDEM Zustand um mein Kind und meinen Mann. Ich nehme mir nunmal nicht frei, egal wie krank ich bin. Das liegt nicht daran, dass mir das irgendwer vorschreibt, sondern einzig und allein daran, dass ich eine Mutter bin und dieser Job nunmal ein 24/7 Job ist und mein kleiner Arbeitgeber das Wertvollste in meinem Leben ist.

    Wenn nun auf humorvolle Art eine Werbung genau dieses Lied singt, von den tapferen Frauen, die nicht wie ihr Mann in dem Moment in dem die Nase anfängt zu laufen wieder klein werden und um die Hilfe einer in ihren Augen super starken Person (ihrer Mama) betteln, sondern weiterhin ihre Familie versorgen (Sei die Frage ob Wick ihnen nun tatsächlich dabei hilft oder nicht mal beiseite geschoben) Sitze ich mit einem Lächeln vorm Fernseher und denke mir, ‚ja so Stark bin ich für meine liebsten!!!‘ Und freue mich über die kleine Verbeugung vor dem was ich leiste!

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