Einhorn-Schwemme

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Ihr erinnert euch sicher noch an „Das letzte Einhorn“, den Zeichentrickfilm aus den 80ern. (Wer jetzt nicht die Ohrwurm-Abwehr einschaltet, wird für den Rest des Tages vom Depri-Titeltrack „The Last Unicorn“ geplagt.)
Habt ihr euch jemals gefragt, wie es weitergegangen ist, nachdem die Einhörner befreit wurden? Nach dem ersten fröhlichen Rumtollen auf saftigen Blumenwiesen?

Nein? Das liegt sicher daran, dass die Antwort uns eh ständig glitzernd entgegenblinkt. Denn diese einst ungreifbaren Fabelwesen hat ein Schicksal ereilt, das vermutlich mindestens so schlimm ist wie von einem gigantischen Stier bewacht als Gefangene eines finsteren alten Mannes das Dasein zu fristen: Sie sind zu Puschen mutiert. Oder Schlüsselanhängern. Zu Tassen- und Kartenmotiven, zu Leuchten und Lollies. Es gibt so viele von den Viechern, dass das Meer vor Haggards Haustür als feuchter Kerker eigentlich zu klein gewesen sein muss.

Inzwischen ist die gewaltige Einhorn-Schwemme also ins real life herübergeschwappt. Was soll uns das wohl sagen? Oder was sagt es über uns?

Früher fanden sich diese Geschöpfe häufig in queeren Kontexten. Schwule, Lesben, Transsexuelle, Transvestiten … identifizierten sich mit der Sagengestalt – kein Wunder, symbolisierte diese doch das Anders- und Besonderssein. Mittlerweile will jedes Lieschen Müller zum Einhorn werden, mehr noch als zu sich selbst. Denn wie heißt es so schön auf dem entsprechenden Deko-Kitsch: „Always be yourself, unless you can be a unicorn – then always be a unicorn!“

Sind wir nun alle anders und massenhaft einzigartig? Vielleicht. Oder es ist an der Zeit, ein neues Wappentier für die Misfits und Outcasts unter uns zu suchen.

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Findet ihr Nilpferde sowieso viel knutschiger als Einhörner? Dann gibt es hier noch mehr Tierisches für euch. Oder sollen es doch lieber Kätzchen sein? Na bittesehr!

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Bücher 2016 für 2017

Ein neues Jahr hat begonnen. Das könnte ich zum Anlass nehmen, auf das gerade erst verabschiedete Jahr, genauer gesagt auf das Bücher-Jahr 2016 zurückzublicken. Ich könnte euch und mich fragen: Welche tollen Romane sind 2016 erschienen und/oder welche Schmöker haben wir in den vergangenen 12 Monaten leidenschaftlich verschlungen?

Stattdessen habe ich mir eine andere Frage überlegt, die auf das letzte Jahr zurückgeht,  aber auch auf das nächste vorausdeutet. Und zwar möchte ich gerne von euch wisssen, welche Bücher 2016 auf eurer to read-Liste gelandet sind. Welche verheißungsvolle Lektüre, die ihr leider noch nicht habt genießen können, wollt ihr 2017 unbedingt nachholen?

Bei mir tendiert die Zahl der verlockenden Schwarten mal wieder gegen unendlich. Eine kleine Auswahl für mich lesenswerten Stoffes möchte ich euch hier präsentieren. Es sind sieben an der Zahl, gut die Hälfte davon 2016 erschienen. Ich stelle sie euch in der alphabetischen Reihenfolge der Autor*innennamen vor, es handelt sich also nicht um eine wertende Rangliste.

 

Junot Díaz: „The Brief Wondrous Life Of Oscar Wao“ bzw. „Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao“


In besagtem Roman geht es um den titelgebenden Nerd Oscar, der davon träumt, der nächste J.R.R. Tolkien zu werden, seine Schwester Lola und ihre Familie. Auf dieser in New Jersey lebenden Familie mit Dominikanischen Wurzeln lastet ein Fluch, dem Oscar ein Ende machen will… Autor Junot Díaz wurde 2008 der Pulitzer Preis für den „Oscar Wao“ verliehen.

 

Olga Grjasnowa: „Die juristische Unschärfe einer Ehe“

Eine „rasante Dreiecksgeschichte zwischen Berlin und Baku“: „Leyla wollte immer tanzen. Doch nach einem Unfall muss sie das Bolschoi-Theater in Moskau verlassen. Altay ist Psychiater. Nachdem sich seine große Liebe umgebracht hat, lässt er keinen Mann mehr an sich heran. Altay und Leyla führen eine Scheinehe, um ihre Familien ruhigzustellen. Als die beiden mit Mitte zwanzig in Berlin von vorne anfangen, tritt Jonoun in ihr Leben.“ Ich persönlich finde: selbst der Titel klingt in seiner Sperrigkeit sexy.

 

Anna Katharina Hahn: „Das Kleid meiner Mutter“

Ana María erlebt im Madrid des Jahres 2012 die Folgen der Wirtschaftskrise, die Arbeits- und Perspektivlosigkeit. Nachdem „Anita“ notgedrungen in ihr Zimmer im Haus der Eltern zurückkehrt, findet sie Vater und Mutter eines Tages tot in der Wohnung vor. Die junge Frau schlüpft daraufhin nicht nur in die Kleider, sondern auch in das unerwartet spannende Leben ihrer Mutter, ja sie wird in ihren eigenen Augen und in denen ihres Umfelds zu ihrer Mutter. Oder ist all das nur eine Illusion?

 

Reif Larsen: „Die Rettungs des Horizonts“

Dass ein Junge namens Radar als Kind weißer Eltern mit dunkler Hautfarbe geboren wird, mag ungewöhnlich erscheinen. Aber nicht annähernd so ungewöhnlich wie die Story, die sich in der Folge rund um eine geheimnisvolle Puppenspielergemeinde entspinnt, die Radars „Defekt“ beseitigen soll und ihn zum unfreiwilligen Zentrum ihrer weltweiten Bewegung macht. Die über 700 Seiten dieses Romans nehmen uns mit auf eine „irrwitzige und spannende Reise rund um den Globus und durch das 20. Jahrhundert“, nach New Jersey und in die Arktis, vom Bürgerkriegs-Bosnien bis nach Kambodscha und in den Kongo.

 

Ian McEwan: „Nutshell“ bzw. „Nussschale“

Jüngster Bestseller des Meister-Literaten. Eine werdende Mutter plant mit ihrem Liebhaber den Mord am Vater des Kindes. Dabei gibt es allerdings einen unerwarteten Mitwisser: das ungeborene Kind in ihrem Bauch, aus dessen Perspektive der Roman erzählt wird. Nach zweiseitigem Anlesen im Buchladen musste ich mir den allein schon wegen des sprachlichen Genusses zulegen.

 

Jonathan Safran Foer: „Here I Am“ bzw „Hier bin ich“

Der neue Roman des gefeierten amerikanischen Autors („Alles ist erleuchtet“, „Extrem laut und unglaublich nah“) nach 11 Jahren. Familienkrise meets drohendes globales Desaster, Geschichte und Gegenwart verweben sich ineinander, schwere existenzielle Fragen werden mit erzählerischer Leichtigkeit aufgeworfen… all das verspricht dieser monumentale Wälzer.

 

Richard Schwartz: „Das Geheimnis von Askir“

Nachdem George R.R. Martins „A Song Of Ice And Fire“ mich wieder offen für fantastische Welten gemacht hat, werde ich mir mit „Das Geheimnis von Askir“ ein weiteres Fantasy-Epos vorknöpfen. Band 1 beginnt mit einem Mord in einem eingeschneiten Gasthaus, den es aufzuklären gilt. Wenn ich so aus dem Fenster schaue, scheint mir das die perfekte Lektüre für die momentane Jahreszeit zu sein.

 

Ich hoffe, euch mit dieser kleinen Auslese meines künftigen Schmöker-Programms vielleicht die eine oder andere Inspiration für eure eigene Lektüre geben zu können.
Oder habt ihr gar einen oder mehrere der Romane schon gelesen und eine Meinung dazu? Dann hinterlasst mir gerne einen Kommentar!

Überhaupt: jetzt seid ihr dran! Lasst mich wissen, was ihr euch dieses Jahr zu lesen vorgenommen habt. Ich freue mich auf eure Anregungen!