Französisch lernen mit Spaß und Youtube

Französisch und ich, das war alles anderes als ein coup de foudre, also nicht gerade Liebe auf den ersten Blick. Eher auf den vierten bis fünften.
Ich muss gestehen: Statt mich von der Melodie und dem Wohlklang der Muttersprache Molières entzücken zu lassen, war ich eher genervt von diesem übertriebenen Heiteitei. Oder wie ich als unreflektierter Pubertierender im O-Ton dachte, fand ich Französisch „einfach voll schwul“.Wieso brachten Menschen solche Laute hervor? Und warum zwangen uns Lehrer dazu, sie auch noch nachzuahmen?

Zumal die Unterrichtsmethoden und -materialien nicht gerade dazu beitrugen, Begeisterung aufkommen zu lassen. Ich erinnere mich lebhaft an Geschichten mit Titeln wie „Florence Danse“, die den spannungsgeladenen Charme eines Beipackzettels versprühten, oder Audio-Kassetten (!), auf denen Jean-Luc und Valérie in einem völlig unrealistischen Schneckentempo miteinander telefonierten. Tatsächlich sprachen die Franzosen auf dieser heiteren MC so langsam, dass sie ganz knapp an der Grenze dazu gewesen sein mussten, wie Schallplatten mit satanischen Versen rückwärts zu reden. Ich kann mir das bis heute nur so erklären, dass die Sprecher stark sediert waren.

Vom Hater zum Französisch-Profi: meine Tipps

Letztendlich haben mich zwei Dinge davon überzeugt, Französisch doch noch eine Chance zu geben:
der Austausch mit real existierenden sympathischen Menschen (nichts gegen Jean-Luc und Valérie, die Robocops meines schulischen Lernmaterials, aber…) und gute Geschichten.

Glücklicherweise findet man in der heutigen Zeit zu beidem sehr viel leichter Zugang als „damals“.

Natürlich ist ein längerer Aufenthalt in den entsprechenden Gefilden immer noch das Mittel der Wahl, um Land, Leute und deren Sprache bestens kennenzulernen. Da sich allerdings nicht jede*r zeitlich und/oder finanziell einen solchen Aufenthalt leisten kann, bietet unsere digitale Welt eine Menge interessanter Ersatzmöglichkeiten.

Auf Seiten wie italki oder mithilfe von Apps wie der sinnig benannten Tandem-App lassen sich ganz einfach Sprachpartner aus aller Damen und Herren Länder erreichen, ohne auch nur die eigenen vier Wände zu verlassen. Bequemer geht es wirklich nicht.

Ebenso easy kommt man heute per Internet an Stories auf Französisch, die einem die Fremdsprache näherbringen, während man fiktive Welten erkundet.

An dieser Stelle möchte ich eifrig mit dem pädagogischen Zeigefinger des Retro-Onkels wedeln und eine Lanze für das Buch brechen. Ihr wisst schon, diese papierenen Dinger, die man in die Hand nehmen kann. Denn, so muss ich als frankoskeptischer Nebenfach-Romanist grummelnd zugeben, das mit der Literatur haben diese Franzosen aus unerfindlichen Gründen echt drauf.

Aber ich weiß selbstredend, dass längst nicht alle Sprachlernenden die Muße für olle Klassiker aufbringen. Mal ganz abgesehen davon, dass eine*n Französisch à la Proust oder gar à la Racine bei der alltäglichen Verständigung nicht wirklich weiterbringt.

Mit Filmen und Serien lassen sich selbst Jugendliche schon eher locken. Aber es geht noch besser für alle, die ihre zumindest basalen Kenntnisse festigen und erweitern wollen. Für diejenigen eignet sich ein gewisses Format nahezu optimal, weil es 1. selbst bei einer äußerst geringen Aufmerksamkeitsspanne genutzt werden kann, 2. sich immer mal zwischendurch einschieben und somit das Argument „keine Zeit“ alt aussehen lässt sowie 3. einfach Spaß macht: Youtube-Videos.

Wenn ihr euch also das nächste Mal auf der Arbeit oder in den öffentlichen Verkehrsmitteln langweilt, zieht euch nicht bloß ein witziges Video rein – lernt auch noch ganz en passant Französisch dabei!

Ich möchte euch dazu besonders drei tolle Youtuber aus unserem Nachbarland ans Herz legen.

 

Besser als Balzac: 3 französische Youtuber, die Laune machen und lernen helfen

Norman

Der sympathische Lockenkopf hat so viele Abonnenten und Fans, dass er mit seinem Live-Bühnenprogramm inzwischen ganze Hallen füllen kann. Völlig zurecht, denn seine Videos, in denen er mit viel Selbstironie über Phänomene des Alltags erzählt, bringen definitiv Spaß. Zum Beispiel dieses hier über die Abenteuer eines Katzenbesitzers:

 

Natoo

Natoo gehört zu den ganz wenigen weiblichen Youtubern, genauer gesagt zu den wenigen weiblichen Youtubern, die sich nicht primär mit Schönheits- und Kosmetiktipps auseinandersetzen. Über diesen Umstand hat sie übrigens auch ein großartiges Video gemacht. Generell verhohnepiepelt sie in ihren Clips gerne mal auf herrlich komische Weise Frauen-Stereotype, wie zum Beispiel in diesem:

 

Cyprien

Ähnlich wie sein Kumpel Norman ist Cyprien ein Tausendsassa, der vielerorts Präsenz zeigt und immer wieder neue Projekte startet. Dazu zählt etwa der Comic „Roger et ses humains“ rund um einen intelligenten Roboter, der wie aus dem Nichts auftaucht und das Leben seiner Menschen ganz schön durcheinander wirbelt. (Wärmste Empfehlung meinerseits!)

Im Zentrum seines kreativen Schaffens steht aber ganz klar Youtube, wo er neben einem speziellen Gaming– auch einen weiteren Kanal hat, der neben den Freuden der Neuen Medien vor allem auch die Hürden der allgemeinen Existenz humorvoll thematisiert. Beispielsweise das nicht ganz unkomplizierte Leben eines Menschen mit akutem Sauberkeitsfimmel:

 

Und wen oder was schaut ihr euch am liebsten an, wenn ihr eure verstaubten Französisch-Kenntnisse aufpolieren wollt?

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