Spanisch lernen mit Spaß und YouTube

Fremdsprachige YouTube-Videos eignen sich hervorragend für etwas fortgeschrittenere Sprachschüler*innen: Sie nehmen nicht viel Zeit in Anspruch, verbessern Hörverständnis und Vokabular, sind im Unterschied zu oft künstlich anmutenden Lernmaterialien authentisch aus dem Leben gegriffen… und machen dabei auch noch Spaß!

Aus all diesen Gründen habe ich euch bereits meine liebsten französischen YouTuber vorgestellt, damit auch ihr bald reden könnt wie Gott oder Göttin in Frankreich. Heute möchte ich nachziehen und euch ein paar spanischsprachige YouTube-Kanäle meiner Wahl präsentieren.

 

Germán Garmendia

Der Chilene Germán Garmendia zählt mit über 31 Millionen Abonennt*innen zu den weltweit erfolgreichsten YouTube-Videoproduzenten. Auf dem Kanal „HolaSoyGerman“ erzählt er jede Woche in seiner liebenswert überdrehten Art einen Schwank über alltägliche Situationen und Problemchen, z. B. darüber, wie man Freunde findet. Oder auch nicht.

 

Javier Ruescas

Der Autor und Lehrer für kreatives Schreiben Javier Ruescas ist neben Sebas Mouret Spaniens bekanntester Booktuber, sprich: Macher von YouTube-Videos, in denen sich alles um die Welt der Bücher dreht. Genauer gesagt bespricht der stets enthusiastische Javier Jugendbücher, was jedoch nicht bedeutet, dass sich sein Kanal ausschließlich an Adoleszente richtet. Viele der Romane bzw. Romanreihen, die er seinen Zuschauer*innen ans Herz legt, begeistern auch Erwachsene. So bin auch ich schon auf den einen oder anderen Schmöker gestoßen, dem ich nicht widerstehen konnte. Ich hoffe, dass ihr ebenso fündig werdet – vielleicht ja schon unter Javiers Fundstücken des Monats Mai:

 

Roberto Pérez Toledo

Zu guter Letzt habe ich noch ein besonderes Schmankerl für euch vorbereitet: den YouTube-Kanal des spanischen Regisseurs und Drehbuchautors Roberto Pérez Toledo. Dessen Spezialität sind kleine Geschichten rund um das schier unerschöpfliche Thema Beziehungen, die er in appetitlichen Kurzfilm-Happen mit den augenschmeichelnden wie herzerwärmenden Zutaten hübsche Menschen und leiser Charme serviert.

Da ich mich nicht für ein einziges Video entscheiden konnte, werde ich euch gleich zwei Amuse-Gueules reichen.

Nr. 1 zeigt, auf welche verrückten Aktionen man sich einzulassen bereit ist, wenn einem Amors Pfeil in der Brust steckt.

 

Womöglich ist euch „Taras“, das titelgebende Wort des folgenden Clips, noch kein Begriff. Aber keine Sorge – ihr werdet es schnell verstehen und nach diesem großartigen Kurzfilm so bald nicht wieder vergessen.

 

Habe ich euer Meinung nach die wichtigsten und tollsten spanischsprachigen YouTuber übersehen? Dann lasst mich wissen, welche ihr zu euren Favoriten zählt!

Französisch lernen mit Spaß und Youtube

Französisch und ich, das war alles anderes als ein coup de foudre, also nicht gerade Liebe auf den ersten Blick. Eher auf den vierten bis fünften.
Ich muss gestehen: Statt mich von der Melodie und dem Wohlklang der Muttersprache Molières entzücken zu lassen, war ich eher genervt von diesem übertriebenen Heiteitei. Oder wie ich als unreflektierter Pubertierender im O-Ton dachte, fand ich Französisch „einfach voll schwul“.Wieso brachten Menschen solche Laute hervor? Und warum zwangen uns Lehrer dazu, sie auch noch nachzuahmen?

Zumal die Unterrichtsmethoden und -materialien nicht gerade dazu beitrugen, Begeisterung aufkommen zu lassen. Ich erinnere mich lebhaft an Geschichten mit Titeln wie „Florence Danse“, die den spannungsgeladenen Charme eines Beipackzettels versprühten, oder Audio-Kassetten (!), auf denen Jean-Luc und Valérie in einem völlig unrealistischen Schneckentempo miteinander telefonierten. Tatsächlich sprachen die Franzosen auf dieser heiteren MC so langsam, dass sie ganz knapp an der Grenze dazu gewesen sein mussten, wie Schallplatten mit satanischen Versen rückwärts zu reden. Ich kann mir das bis heute nur so erklären, dass die Sprecher stark sediert waren.

Vom Hater zum Französisch-Profi: meine Tipps

Letztendlich haben mich zwei Dinge davon überzeugt, Französisch doch noch eine Chance zu geben:
der Austausch mit real existierenden sympathischen Menschen (nichts gegen Jean-Luc und Valérie, die Robocops meines schulischen Lernmaterials, aber…) und gute Geschichten.

Glücklicherweise findet man in der heutigen Zeit zu beidem sehr viel leichter Zugang als „damals“.

Natürlich ist ein längerer Aufenthalt in den entsprechenden Gefilden immer noch das Mittel der Wahl, um Land, Leute und deren Sprache bestens kennenzulernen. Da sich allerdings nicht jede*r zeitlich und/oder finanziell einen solchen Aufenthalt leisten kann, bietet unsere digitale Welt eine Menge interessanter Ersatzmöglichkeiten.

Auf Seiten wie italki oder mithilfe von Apps wie der sinnig benannten Tandem-App lassen sich ganz einfach Sprachpartner aus aller Damen und Herren Länder erreichen, ohne auch nur die eigenen vier Wände zu verlassen. Bequemer geht es wirklich nicht.

Ebenso easy kommt man heute per Internet an Stories auf Französisch, die einem die Fremdsprache näherbringen, während man fiktive Welten erkundet.

An dieser Stelle möchte ich eifrig mit dem pädagogischen Zeigefinger des Retro-Onkels wedeln und eine Lanze für das Buch brechen. Ihr wisst schon, diese papierenen Dinger, die man in die Hand nehmen kann. Denn, so muss ich als frankoskeptischer Nebenfach-Romanist grummelnd zugeben, das mit der Literatur haben diese Franzosen aus unerfindlichen Gründen echt drauf.

Aber ich weiß selbstredend, dass längst nicht alle Sprachlernenden die Muße für olle Klassiker aufbringen. Mal ganz abgesehen davon, dass eine*n Französisch à la Proust oder gar à la Racine bei der alltäglichen Verständigung nicht wirklich weiterbringt.

Mit Filmen und Serien lassen sich selbst Jugendliche schon eher locken. Aber es geht noch besser für alle, die ihre zumindest basalen Kenntnisse festigen und erweitern wollen. Für diejenigen eignet sich ein gewisses Format nahezu optimal, weil es 1. selbst bei einer äußerst geringen Aufmerksamkeitsspanne genutzt werden kann, 2. sich immer mal zwischendurch einschieben und somit das Argument „keine Zeit“ alt aussehen lässt sowie 3. einfach Spaß macht: Youtube-Videos.

Wenn ihr euch also das nächste Mal auf der Arbeit oder in den öffentlichen Verkehrsmitteln langweilt, zieht euch nicht bloß ein witziges Video rein – lernt auch noch ganz en passant Französisch dabei!

Ich möchte euch dazu besonders drei tolle Youtuber aus unserem Nachbarland ans Herz legen.

 

Besser als Balzac: 3 französische Youtuber, die Laune machen und lernen helfen

Norman

Der sympathische Lockenkopf hat so viele Abonnenten und Fans, dass er mit seinem Live-Bühnenprogramm inzwischen ganze Hallen füllen kann. Völlig zurecht, denn seine Videos, in denen er mit viel Selbstironie über Phänomene des Alltags erzählt, bringen definitiv Spaß. Zum Beispiel dieses hier über die Abenteuer eines Katzenbesitzers:

 

Natoo

Natoo gehört zu den ganz wenigen weiblichen Youtubern, genauer gesagt zu den wenigen weiblichen Youtubern, die sich nicht primär mit Schönheits- und Kosmetiktipps auseinandersetzen. Über diesen Umstand hat sie übrigens auch ein großartiges Video gemacht. Generell verhohnepiepelt sie in ihren Clips gerne mal auf herrlich komische Weise Frauen-Stereotype, wie zum Beispiel in diesem:

 

Cyprien

Ähnlich wie sein Kumpel Norman ist Cyprien ein Tausendsassa, der vielerorts Präsenz zeigt und immer wieder neue Projekte startet. Dazu zählt etwa der Comic „Roger et ses humains“ rund um einen intelligenten Roboter, der wie aus dem Nichts auftaucht und das Leben seiner Menschen ganz schön durcheinander wirbelt. (Wärmste Empfehlung meinerseits!)

Im Zentrum seines kreativen Schaffens steht aber ganz klar Youtube, wo er neben einem speziellen Gaming– auch einen weiteren Kanal hat, der neben den Freuden der Neuen Medien vor allem auch die Hürden der allgemeinen Existenz humorvoll thematisiert. Beispielsweise das nicht ganz unkomplizierte Leben eines Menschen mit akutem Sauberkeitsfimmel:

 

Und wen oder was schaut ihr euch am liebsten an, wenn ihr eure verstaubten Französisch-Kenntnisse aufpolieren wollt?

Einhorn-Schwemme

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Ihr erinnert euch sicher noch an „Das letzte Einhorn“, den Zeichentrickfilm aus den 80ern. (Wer jetzt nicht die Ohrwurm-Abwehr einschaltet, wird für den Rest des Tages vom Depri-Titeltrack „The Last Unicorn“ geplagt.)
Habt ihr euch jemals gefragt, wie es weitergegangen ist, nachdem die Einhörner befreit wurden? Nach dem ersten fröhlichen Rumtollen auf saftigen Blumenwiesen?

Nein? Das liegt sicher daran, dass die Antwort uns eh ständig glitzernd entgegenblinkt. Denn diese einst ungreifbaren Fabelwesen hat ein Schicksal ereilt, das vermutlich mindestens so schlimm ist wie von einem gigantischen Stier bewacht als Gefangene eines finsteren alten Mannes das Dasein zu fristen: Sie sind zu Puschen mutiert. Oder Schlüsselanhängern. Zu Tassen- und Kartenmotiven, zu Leuchten und Lollies. Es gibt so viele von den Viechern, dass das Meer vor Haggards Haustür als feuchter Kerker eigentlich zu klein gewesen sein muss.

Inzwischen ist die gewaltige Einhorn-Schwemme also ins real life herübergeschwappt. Was soll uns das wohl sagen? Oder was sagt es über uns?

Früher fanden sich diese Geschöpfe häufig in queeren Kontexten. Schwule, Lesben, Transsexuelle, Transvestiten … identifizierten sich mit der Sagengestalt – kein Wunder, symbolisierte diese doch das Anders- und Besonderssein. Mittlerweile will jedes Lieschen Müller zum Einhorn werden, mehr noch als zu sich selbst. Denn wie heißt es so schön auf dem entsprechenden Deko-Kitsch: „Always be yourself, unless you can be a unicorn – then always be a unicorn!“

Sind wir nun alle anders und massenhaft einzigartig? Vielleicht. Oder es ist an der Zeit, ein neues Wappentier für die Misfits und Outcasts unter uns zu suchen.

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Findet ihr Nilpferde sowieso viel knutschiger als Einhörner? Dann gibt es hier noch mehr Tierisches für euch. Oder sollen es doch lieber Kätzchen sein? Na bittesehr!

Musikalische Blogparade

Über Critical Pixie und Wortgeflumselkritzelkrams bin ich auf eine Blogparade gestoßen, die von der singenden Lehrerin initiiert wurde. Dabei geht es darum, 10 Songs zu posten, die mich zum Mitsingen, Mitgrölen, Mittanzen bringen. Oder gebracht haben. Lieder mit Erinnerungswert, die sich in meinem Kopf festgedudelt haben. Puh, da gibt es sicherlich viele. Ich lasse mich dementsprechend von mir selbst ein wenig überraschen, welche Liedchen mir als Ausschnitt meiner persönlichen Musikhistorie in den Sinn kommen.

Auf geht´s. Mit Madonna:

Meine große Schwester hat ihre Pubertät in den 80ern zelebriert. Die damals durchs Haus trällernden Popsongs haben meinen Musikgeschmack mitgeprägt. Da gab´s aber auch lauter großartiges Zeug. Michael Jackson, Whitney Houston (auf die muss ich später noch zu sprechen kommen), George Michael, Rick Astley… Mit einem Hauch von nicht-englischer Exotik noch France Gall, Guesch Patti (Étienne!) oder die von Big Sis sehr geliebte Italo-Röhre Gianna Nannini. Tja, und natürlich Madonna, diese großartige Ikone, deren Lieder aus den 80ern für mich immer nach Sommerferien klingen.

Meine eigene früheste Jugend wurde dann zunächst zwangsläufig mit Eurodance beschallt. Man kann sagen, was man will, schmissig waren Kracher wie „Mr Vain“ von Culture Beat, „Rhythm is a Dancer“ von Snap! oder „Love Religion“ schon. Und „No Limit“ kann ich heute immer noch empfehlen, um sich vor Bewerbungsgesprächen oder ähnlichen Situation so richtig in „Tschakka du schaffst es!“-Stimmung zu powern.

Ein weiteres Phänomen, an dem man damals, als ich noch ganz jung war, nicht vorbei kam: Boybands. Derer gab es irgendwann gefühlte Milliarden, aber ich denke, Take That ist so was wie die Mutter dieser Jungs-Kapellen. Ob ich will oder nicht, die müssen hier also auch aufgeführt werden. Ich weiß gar nicht, warum ausgerechnet „Pray“. Vielleicht weil das Video gerade so schön zur Außentemperatur passt.

Grunge war die erste Musik, die ich so richtig als meine für mich entdeckte. Die Nirvana-Alben habe ich in Dauerschleife durchgenudelt und kann jetzt noch die Songtexte mitsingen, die mir alle irgendwie aus der Seele sprachen. „Heart Shaped Box“ gehörte definitiv zu meinen Favoriten. Großartig verstörendes Video auch. Nicht unerwähnt lassen darf ich an dieser Stelle Bush. Wenn ihr jetzt denkt, Bush, sind das nicht diese Rock-Pop-Luschen?: Mit „Razorblade Suitcase“ haben sie zumindest ein waschechtes Grunge-Album rausgebracht, genial düsterdumpf und von einem anhaltenden unterschwelligen Zorn, der immer einmal wieder ausbricht oder zynisch gebrochen wird. Der Soundtrack meiner Pubertät.

Dann wurde es so richtig dark. Gothic fand ich faszinierend, da durfte man wenigstens mal gepflegt traurig und anders sein. Musikalisch haben mir die Lakaien, die guten alten Sisters of Mercy, Mittelalterspaß wie Subway to Sally oder Letzte Instanz oder auch mal ganz „Abwegiges“ wie Hagalaz Runedance zugesagt. Mit EBM und anderem Elektronischen hab ich mich nur in Ausnahmefällen anfreunden können. Helium Vola hat ganz prima das Mittelalterliche tanzbar gemacht. „Omnis mundi creatura“ war so was wie ein Clubhit in der einen Düsterdisko oder dem anderen Partykeller.

Da ich Strom-Gitarren und härtere musikalische Kost liebe, war der Schritt zum Metal konsequent. Das äußerste Extrem der Anti-Musik hatte ich irgendwann mit einer Black Metal-Phase erreicht, für die diese klangvolle Hymne stellvertretend steht. Mann, war das auf seine Art ein Ohrwurm und absoluter Klassiker!

Nicht ganz so krachig, eher zum Schwelgen einladend: Empyrium. Deren Album „Songs of Moors and Misty Fields“ ist seit Jahren dauerhaft DAS Herbst-Album für mich. Ich freu mich jetzt schon wieder drauf.

Apropos Herbst. Während meines Philosophie-Studiums war „OK Computer“ von Radiohead das Album der Wahl für den Übergang von Sommer zu Herbst. Süße Melancholie, und überhaupt… „Let Down“ veranschaulicht das Grundgefühl ganz prima.

Hardcore ist auch nicht verkehrt, Hatebreed geht sowieso immer. Speziell „In Ashes They Shall Reap“ ist ein spitzenmäßiger Motivations-Song für Sport, Spiel und alle anderen Gelegenheiten.

Ich habe keine Ahnung, wie Whitney Houston mit ihrem „I wanna dance with somebody“ letzten Sommer in meinen Kopf gekommen ist. Ich weiß nur, dass sie damit nicht mehr rauswollte und mir schweinegute Laune gemacht hat und immer noch macht.

Stoner Rock ist für mich ein Garant für musikalisches Vergnügen. Wer da nicht zum Luftgitarren-Gott mutiert, ist selber schuld. Also, macht´s wie ich und grölt euch am Freitag mit Monster Magnet ins Wochenende: „I’m never gonna work another day in my life / The Gods told me to relax / They said I´m gonna get fixed up right“.

Ups, nun sind´s doch 11 statt 10 geworden, dabei hab ich mich schon zusammengerissen… und ein irgendwie aparter Mix 😉

 

 

 

 

Cat Content Is King

Früher habe ich immer über den Niedlichkeitswahn meiner (gerne mal weiblichen) Mitmenschen gespottet. Bei jedem hochflötend-piepsigen „Oh wie süüüüüüüüß!“ verdrehte ich genervt die Augen und wunderte mich über die grenzdebile Kindchenhaftigkeit eigentlich erwachsener Personen.

Jetzt habe ich den Salat. Mittlerweile gehöre auch ich zu den Nasen, die sich tierisches Bildmaterial als Stimmungsaufheller verabreichen. Nach außen gebe ich immerhin noch keine Laute der Glückseligkeit. Innerlich hab ich aber schon das eine oder andere Mal gequiekt.

Keine Ahnung, wie es soweit kommen konnte. Ach was rede ich… eigentlich weiß ich es ganz genau. Über die letzten Jahre hinweg hat mich meine Freundin mit ihrer gefährlichen Leidenschaft angesteckt (ich schwöre!). Auf subtilste Weise hat sie mich zum hemmungslosen Kätzchen-Video-Abusus verführt. Gut, es waren auch ein paar Igelchen dabei, Schweinchen, Hündchen, Eselchen, Füchschen, Wieselchen, Äffchen und Entchen. Aber hauptsächlich Kätzchen.

Katzen-Clips scheinen so ein richtiges Ding zu sein. In Laurie Pennys Geschichtenband „Babies machen und andere Stories“ werden sie sogar staatlich verordnet, als Ablenkung und Palliativ der allgemeinen Wurstigkeit zugleich.

Aber woran liegt das eigentlich? Warum sprechen uns gerade Tier-Bilder und -Videos so an? Es gibt doch noch eine Menge anderer putziger Dinge auf der Welt. Auch wenn mir jetzt, wenn ich krampfhaft darüber nachdenke, natürlich kein Beispiel einfällt.

Und warum sind es unter den Tieren offenbar vor allem Katzen, die uns das Elend der Welt vergessen lassen? Selbst dann, wenn es sich um Grumpy Cat handelt.

Habt ihr dazu Theorien? Würde mich brennend interessieren!

Und während ich darüber reflektiere und euch mitreflektieren lasse, möchte ich euch unbedingt meinen momentanen Favoriten aus der Rubrik „Kätzchen-Cuteness-Overload“ präsentieren – voilà:

Paradoxe Intervention

Der Kopf schlägt einem so manches mal ein Schnippchen.
Er pflanzt einem in den unwahrscheinlichsten Momenten die unmöglichsten Ohrwürmer ein. (Bei mir sind das gerne mal Volksmusik- und Schlager-Hits aus dem WDR 4-Programm – danke dafür, Mama!) Er reißt in den ernstesten Situationen die albernsten Zoten. Und er nimmt oft eine, nun, interessante Gedächtnisdaten-Selektion und -Erweiterung vor.

Z.B. wenn ich an die „Woche der Gewalt“ in Bayern denke. Was ist mir davon nämlich am markantesten in Erinnerung geblieben? Der brüllende Balkon-Mann.

Ich weiß, es waren de facto zwei Männer, die den Amokläufer von München in ein „Gespräch“ verwickelt haben. Mein Kopf hat sie zu einem verschmolzen und etwas aufgepimpt. Ich stelle mir diesen Menschen als einen schmerbäuchigen Bayern im weißen Feinripp-Unterhemd vor, die Bierflasche im Anschlag. Optisch weist er dabei eine nicht unbedeutende Ähnlichkeit mit dem Wachtmeister Dimpfelmoser aus dem Räuber Hotzenplotz auf, dessen Nachnamen er möglicherweise trägt. Es würde zu seinem breiten Dialekt passen. Ehrlich gesagt ziert ihn in meiner Vorstellung sogar die entsprechende Pickelhaube.

Ich finde es ja bemerkenswert, welche neuen, auf den ersten Blick widersprüchlichen Typen unsere Zeit so hervorbringt. Der Balkon-Dimpfelmoser bspw. vertritt für mich geradezu exemplarisch den Typus des stoischen Wutbürgers.

Neben dessen cholerischem Temperament, dem Hang zum Geschimpfe über alles, was er nicht kennt und einzuschätzen weiß, besticht er vor allem durch eins: seine unerschütterliche Unbeirrbarkeit. Von albernen Kleinigkeiten wie Fakten, Empathie oder Differenziertheit lässt er sich ohnehin nicht durcheinander bringen. Aber auch vermeintlich größere Hindernisse wie die Gefahr für Leib und Leben lassen ihn im Grunde kalt.

So beschreitet er ganz neue Verhaltenspfade. Ein wild schießender Amokläufer taucht direkt vor seiner Nase auf? Warum nicht mal mit der Bierflasche schmeißen und ihn als „Scheiß-Kanacke!“ beleidigen, „fremdländisch“ wie er ausschaut.

Während ich feststelle, dass in „unbeirrbar“ beinahe „irre“ drinsteckt und noch abwäge, ob ich die Reaktion meines Kopfkino-Dimpfelmosers nun wahnwitzig oder bemerkenswert finden soll, erfahre ich: Der Mann hat alles richtig gemacht. Sagt Deeskalations-Trainer Heinz Kraft (ja, der heißt wirklich so). Beklopptheit kann also auch für den Notfall rüsten.

Wichtig sei in einer solchen Situation nämlich, den Täter zu irritieren. Da bietet es sich natürlich an, völlig paradox zu handeln. Man solle zum Beispiel an einem Mittwoch behaupten: „Heute ist Donnerstag und donnerstags wird nicht geschossen.“ Darüber kommt der Täter ins Grübeln und antwortet unter Umständen „Aber heute ist doch Mittwoch!“ Aus dem Konzept gebracht ist er auf jeden Fall, und wenn es nur einige (wertvolle!) Sekunden dauert.

Potenzielle Amoktäter sind leider oft nicht dumm und viel im Netz unterwegs, wo sie sich alles Mögliche zu diesem Thema durchlesen. Ich erwische mich allen Ernstes dabei, wie ich mich frage: Wenn so ein gefährdeter Mensch das jetzt im Interview liest und sich als Abwehrstrategie potenzieller Opfer merkt… wäre es dann irgendwann eine angemessene Reaktion an einem Mittwoch zu sagen „Heute ist Mittwoch und mittwochs wird nicht geschossen“, weil der Täter dadurch irritiert wird, dass man ihn nicht zu irritieren versucht und entgegen seiner Annahme den richtigen Wochentag nennt, wo er fest mit dem falschen gerechnet hatte?

Ähm tja… Ob das ein Versuch meines Geistes ist, paradox zu intervenieren? Indem er angesichts beunruhigender Themen dermaßen quatschige Frage-Blüten treibt und mir die zeitgemäß upgedatete Wachtmeister-Figur eines Kinderbuches in die Hirnwindungen setzt?

Wäre nicht das erste Mal, dass er solche Scherze veranstaltet.

 

 

 

Das Nilpferd im Schaufenster

Heidelbergs Altstadt ist, wie es so schön heißt, „das Herz und die historische Mitte“ der Romantik-Perle am Neckar. Über das ganze Jahr hinweg, gerade aber jetzt im Sommer zieht sie Tourist*innen aus aller Welt magisch an. Auch wenn einem das Idyll mitunter empfindlich auf den Zwirn gehen kann, muss ich ja zugeben… hübsch ist es schon. Der Fluss, die Berge, das Schloss, die verwinkelten Gässchen: es gibt für Besucher*innen einiges zu sehen und zu erleben. Und mittendrin, in einem kleinen Tabakladen bei der Heiliggeistkirche, steht ein Nilpferd im Schaufenster.

Okay, ich muss mich entschuldigen, das war geschwindelt. Es gibt natürlich nicht wirklich ein Nilpferd im Schaufenster  zu bestaunen. All denjenigen, denen wie mir selbst das Nilpferd in der Achterbahn aus dem gleichnamigen Spiel in den Kopf geschossen ist, muss ich leider kleinlaut gestehen: Eine so putzig-positive Assoziation ist hier gänzlich fehl am Platze. Im Grunde muss ich mich nicht nur bei allen, die diese Zeilen lesen, sondern auch bei sämtlichen Nilpferden entschuldigen. Sie haben es eigentlich nicht verdient, mit etwas so Zweifelhaftem wie dem betreffenden Schaufenster-Inhalt in Verbindung gebracht zu werden.
Insofern: offizielles Sorry von meiner Seite, liebe Hippos, dass ich euch hier schamvoll als Platzhalter missbrauche!

De facto geht es um etwas anderes mit dem Buchstaben „N“ Beginnendes. Es handelt sich um eine mehr als nur uncharmante, Tonnen von ungeilem begriffshistorischem Ballast mit sich schleppende Bezeichnung für Menschen dunkler Hautfarbe. Ich denke, ihr kommt drauf.

So unangemessen dieses Wort generell ist, so treffsicher betitelt es leider das, was lebensgroß in besagtem Schaufenster steht: hélas, nicht die Figur eines Menschen mit dunkler Hautfarbe, sondern die eines Nilpferds. Weswegen sie definitiv nicht dort stehen sollte.

Man kann da sicherlich drüber diskutieren. Hab ich dann spaßeshalber auch gemacht.

Mein geschätzter Mitdiskutand argumentierte natürlich erst einmal damit, dass so eine Figur niemandem wehtut. Das hätte ja null Auswirkung auf jetzt und real existierende Personen, sei quasi eher ein historisches Relikt. Ich so: „Na, das kann man von Hakenkreuz-Flaggen auch behaupten, und die hisst du doch auch nicht auf deinem Balkon!“

Obwohl er letzterem Punkt glücklicherweise zugestimmt hat, erwiderte er gleich, sein Großonkel habe aber tatsächlich noch eine alte Hakenkreuz-Flagge auf dem Speicher liegen. Eben als Überbleibsel dieses unrühmlichen Abschnitts der Geschichte, was er völlig unproblematisch fände.

Na gut. Ich kann mir zwar andere Dinge vorstellen, die man mit solchen Flaggen anstellen könnte. Wie wäre es z.B. damit: sie in klitzekleine Stückchen zerfetzen, aus denen man dann eine Friedenstaube häkelt? Aber meinetwegen. Warum nicht auch feinsäuberlich bis zur Unkenntlichkeit zusammengefaltet, in einer Kiste unter tausend anderen Kisten in der allerhinteresten Ecke des Speichers verstauben und vergilben lassen? Bisschen unkreativ, aber ich lasse es mal durchgehen.

Auf den Nilpferd-Fall übertragen fände ich es in Ordnung, wenn die Besitzerin des Tabakladens sich die Figur in den Schuppen stellt, gewissermaßen als Souvenir schlechterer Tage. Gleich hinter die Geräte, mit denen sie sorgsam den weitläufigen Garten ihres Weststadt-Grundstücks pflegt.

Wenn dann ihre Enkelkinder zu Besuch kommen und über die Wiese tollen, kann sie sie mit geheimniskrämerischer Miene in den Schuppen führen und ihnen das Machwerk zeigen. Ihnen davon erzählen, dass, sagen wir einmal: ihre eigene „Großmama“ (mit Betonung auf der letzten Silbe) so etwas allen Ernstes noch im Laden stehen hatte:

„Guckt mal, Fritz-Luca und Klytämnestra-Sophie, wie scheiße die Leute damals noch drauf waren! Könnt ihr euch das vorstellen? Denkt mal, ihr würdet im nächsten Schaufenster ein Plakat sehen, auf dem steht: Ihr Weißen seid nichts als unzivilisierte Bimbos!?“ (Eine echte Weststadt-Großmutter würde sich selbstredend gesitteter ausdrücken.)

Aber mitten im öffentlichen Raum… bräsig zur Schau gestellt im Fenster… eines Tabak-Geschäfts?!
Ich bin geneigt so was wie „Merkste selbst, ne?“ zu schreiben, aber ganz offensichtlich merkt es die betreffende Person nicht.

Also versuche ich es noch einmal anders. Ich würde eine solche Figur aus so ziemlich demselben Grund nicht an einem solchen Ort platzieren, aus dem ich die ganze Zeit von einem Nilpferd rede. Bzw. eben nicht von einem anderen N-Wort.

Ich gebe offen zu, dass ich die N-Wort-Debatte nicht bis in ihre äußersten Verästelungen hinein verfolgt habe. Das brauche ich aber auch nicht, um zu verstehen, dass dieses Wort, wiewohl historisch belegt und aktuell existent, nichts in meinem aktiven Vokabular verloren hat. Ich kann es irgendwo in meinem hinteren Oberstübchen archivieren, aber nicht hervorholen und verwenden.

Ich bin mir zu fast 100% sicher, dass auch die Tabak-Dame keineswegs skrupellos das N-Wort aussprechen würde. Und zwar nicht nur, weil es irgendwie unfein klingt. Nicht aus bloßer „political correctness“, aus einer übertriebenen Etikette für Leute, die nichts Besseres zu tun haben als sich mit Nichtigkeiten zu beschäftigen. Sondern weil es eine reale Beleidigung und Verletzung ist, die eine viel zu lange Geschichte nicht nur rhetorischer Verletzungen in sich trägt.

Worte transportieren und konservieren die Wirklichkeit, zu der sie gehören. Worte sind Bilder der Wirklichkeit, die nicht allein abbilden, wie sie „schon immer“ gewesen ist, sondern die auch und vor allem mitbilden, wie sie jetzt ist und sein kann. Umgekehrt sind figürliche Darstellungen auch Aussagen. Sie haben eine Bedeutung, mit allen vergangenen wie gegenwärtigen Konnotationen und Zusamenhängen, die diese Bedeutung mit ausmachen.

Wenn ich also bestimmte Dinge niemals von Menschen sagen würde, warum sollte ich sie ihnen dreist als Figur vor die Nase halten?

Solange wir noch nicht in jenem fernen Utopia leben, in dem Rassismus endgültig passé ist,  und eigentlich selbst dann noch, würde ich mir eine weniger menschenfeindliche Schaufenster-Deko inmitten des Altstadt-Idylls wünschen.

Ein sympathisches Nilpferd zum Beispiel.