Sexistische Kackwerbung – Teil 4: Müllermilch

Im Kühlregal sitzen halbnackte, nur spärlich mit Weihnachtskostümchenfetzen bedeckte Frauen und räkeln sich mir lasziv mit willig blitzendem Blick entgegen. Was die da machen, fragt ihr euch? Sie zieren die Winter-Edition der Müllermilch. Hm… Bananenmilch und Pin-Ups, seht ihr die Schnittmenge? Nö? Na dann geht´s euch ja genau wie mir.

Wie hieß es doch gleich: „Die Müllermilch, die schmeckt und weckt, was in dir steckt!“. Besagte Winter-Edition schmeckt mir jetzt weniger, weil darin ein Schuss zu viel Sexismus steckt.

Extrem „gelungen“ ist die Müllermilch Schoko: Da wird, weil eine ätzende Zutat offenbar nicht reicht, der Sexismus noch mit einer großzügigen Prise Rassismus gewürzt.
Dazu mehr an dieser Stelle: http://www.br.de/puls/themen/welt/interview-muellermilch-rassimus-tahir-della-100.html

In diesem Sinne: Prost!

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Sexistische Kackwerbung – Teil 3: Wick DayMed

Herbstzeit, Erkältungszeit – und somit auch Zeit für Werbung, die Mittel gegen Erkältungsbeschwerden anpreist. Dazu gehört u.a. der Werbespot von Wick DayMed, der momentan wieder über Deutschlands Fernsehbildschirme läuft und einer/einem bei genauem Hinhören gewaltige Schauer über den Rücken treibt. So schlimm kann keine Erkältung sein wie dieses vermeintliche Antidot verkauft wird.

Aber der Reihe nach:
Wir sehen eine verschnupfte Frau in Business-Kleidung, die sich bei einem kleinen Mädchen krankmeldet als wäre dieses ihre Arbeitgeberin. Ja gibt´s denn so was?! Nein, natürlich nicht, und mit Hilfe von Wick soll es so was auch gar nicht geben. Das unrealistische Szenario wird als solches schnell entlarvt und wir aufgeklärt: „Mütter nehmen sich nicht frei… Mütter nehmen Wick DayMed!“

Der komplette Spot, die Story sowie last and least, quasi als Kackperle auf dem dampfenden Hundehaufen, dieser Spruch… All das beinhaltet so viele giftige Aspekte, die mir ein regelrechtes Magengewitter im Bauch verursachen, dass es mir schwerfällt, sie verständlich aufzudröseln. Aber ich werde es einmal versuchen.

Zunächst bringt die Werbung „sich um Kinder kümmern“ und „arbeiten“ miteinander in Verbindung. Dass diese Assoziation ihre Berechtigung hat, leuchtet jeder und jedem gleich ein: Kinder zu versorgen ist Arbeit. Und zwar nicht irgendein beliebiger Pillepalle-Job. Es handelt sich vielmehr um Knochenarbeit mit großer Verantwortung, maximal geforderter Flexibilität, hohem Zeitaufwand und, ganz klar, einem gigantischen Einsatz. Nicht einem Beruf, sondern einer Berufung soll mensch hier überdies nachkommen, das gilt für das Eltern-Sein mehr als für jede andere Arbeit im engeren oder weiteren Sinne.

Die Assoziation von „Kinder versorgen“ und „arbeiten“, die der Werbespot weckt, wird allerdings im gleichen Atemzug von ihr auch wieder negiert: Eltern zu sein, oder vielmehr – und das ist der enervierend springende Punkt – Mutter zu sein, das ist eben kein Job, erst recht keiner wie jeder andere.

Worin also liegt, laut Wick, der kapitale Unterschied zwischen „Mutter sein“ und „einem Beruf nachgehen“? (Nein, dass Mütter für eine der sicherlich anstrengendsten und wichtigsten Tätigkeiten nicht einen Cent bekommen, ist nicht die gesuchte Antwort.)
Arbeitnehmende haben vertraglich festgelegte Arbeitszeiten und somit auch festgelegte, ja vorgeschriebene Freizeit. Natürlich steht ihnen im Krankheitsfall das Recht zu, für einen gewissen Zeitraum auszufallen.
Anders geht es da den Müttern in der Wick-Sicht der Dinge: Ihre Aufgabe lässt ihnen weder Zeit noch Raum für Pausen und Erholung, unter normalen Umständen nicht und noch nicht einmal bei Krankheit.

Ständige Verfügbarkeit, permanenter Leistungsdruck, der Menschen selbst mit Fieber und völlig aufgebrauchten Energiereserven ihre Arbeit verrichten lässt – was in der Arbeitswelt als in hohem Maße schädliche Tendenz beobachtet wird, die enorme physische und psychische Leiden verursacht, das ist für Mütter der Normalzustand.
Mehr noch, es ist ein wünschenswerter, so geforderter Zustand. Denn der Satz „Mütter nehmen sich nicht frei“ vermittelt uns ja ein Ideal, ein „Mütter sollen sich nie freinehmen!“. In der besten aller möglichen Welten stopfen sich dieser Vorstellung zufolge Mütter eher mit Medikamenten voll oder riskieren einen Burnout als auf ihre eigenen Bedürfnisse einzugehen.

„Mütter nehmen sich nicht frei“, sie legen sich nicht einfach so ins Bett und kurieren sich aus wie jede*r andere mit einer Erkältung. Bemerkenswerterweise scheinen die Mütter auch die einzigen Menschen in ihrem gesamten Umfeld zu sein, die Verantwortung für ihre Kinder übernehmen können. Denn sie bitten auch nicht etwa die Großeltern, den Schwager oder die Nachbarin, vorübergehend auf die Kinder aufzupassen, um sich ein wenig zu schonen. Vom Vater einmal ganz zu schweigen…

Überhaupt, wie ist es mit den Vätern? Nehmen die sich auch nicht frei? Oder sind sie etwa im Unterschied zu Frauen, die Kinder kriegen, nie diesen ebenso unsichtbaren wie bindenden Vertrag eingegangen, der eine nicht als Arbeit bezeichnete Arbeit ohne Unterlass von ihnen verlangt?

„Mütter nehmen sich nicht frei.“ Mütter sind auch nicht frei, solange sie (längst nicht nur von dieser Werbung) in die Geiselhaft des Mutter-Ideals gezwungen werden.

 

Sexistische Kackwerbung – Teil 2: Trailer zu der VOX-Serie „Club der roten Bänder“

VOX strahlt demnächst, ab dem 9. November, mit „Club der roten Bänder“ die erste selbst produzierte Serie des Senders aus. Darin geht es um eine Gruppe von Jugendlichen, die unter verschiedenen schweren Krankheiten leiden und daher die meiste Zeit im Krankenhaus verbringen müssen. Aber die jungen Menschen ergeben sich nicht einfach so in ihr Schicksal und siechen vor sich hin – nein, sie bilden eine „Krankenhausgang“ und begehren gemeinsam gegen Leid und Freudlosigkeit auf.

An sich eine nette Story, vielleicht auch gut umgesetzt, darüber kann ich nichts sagen. Ich weiß nur mit Sicherheit, dass mich der Trailer zur Serie jedes Mal fassungslos und fuchsig zugleich macht.

In besagtem Trailer werden reihum die einzelnen Jugendlichen vorgestellt, mit Namen und einem die Person oder ihre Position in der Gruppe beschreibenden Zusatz. Da gibt es den Anführer, den 2. Anführer, den Hübschen, den Schlauen… und dann u.a. noch: „das Mädchen“. DAS MÄDCHEN!!!

Wir schreiben das Jahr 2015 (daran muss mensch sich an dieser Stelle wirklich krampfhaft erinnern!), und die einzige weibliche Hauptfigur einer Fernseh-Serie wird dadurch charakterisiert, dass sie… weiblich ist?!? Fast müsste man sagen, dass sie dadurch eher „entcharakterisiert“ wird. Kein Mensch mit Eigenschaften, Fähigkeiten etc., nee nee: ein „Mädchen“.

Was lernen wir daraus?
Jungs spielen eine (bestimmte) Rolle – Mädchen sind auch irgendwie dabei. Jungs haben Eigenschaften – „Mädchen“ ist eine Eigenschaft.